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Fernsehkarriere

„Das Fernsehen verlöre seinen Sinn, wenn es von Ängstlichen für Ängstliche gemacht würde.“ (Claus Gatterer in „150 Mal teleobjektiv“. In: ORF, teleobjektiv vom 31.1.1984.)

Schon vor seiner Anstellung beim Österreichischen Rundfunk im Jahr 1972 gestaltete Claus Gatterer Dokumentarfilme und Hörfunkbeiträge oder kommentierte das Weltgeschehen für ORF-Radio und -Fernsehen. Seine Hörfunkreihe „Psychographie einer Erbfeindschaft“, die er zu seinem Buch „Erbfeindschaft Italien-Österreich" ausbaute, lief mit großem Erfolg auf ORF Radio Tirol. Für seine erste TV-Dokumentation über Südtirol „Menschen und Verträge – 50 Jahre nach Saint Germain“ erhielt er den Fernsehpreis der österreichischen Volksbildung.

Zu Gatterers herausragenden Leistungen beim ORF zählt seine Tätigkeit als Drehbuchautor und Macher zeitkritischer und zeitgeschichtlicher TV-Dokumentationen, die fast in Vergessenheit geraten ist und im Juni 2014 im Rahmen einer Filmretrospektive im Stadttheater Bruneck, zumindest in einem kleineren Kreis, eine Renaissance erlebte.
 
Seinen Bekanntheitsgrad als mediale Figur verdankte Gatterer aber dem Magazin „teleobjektiv”, bei dem er ab 1974 als Verantwortlicher und Moderator beinahe zehn Jahre lang engagiert war. Die Sendereihe markierte den Beginn einer gesellschafts- und sozialkritischen Hintergrundberichterstattung, in deren Mittelpunkt nicht die prominente Politik, sondern die Welt der „unterprivilegierten“ und „normalen“ Mitmenschen stand. Getragen von der allgemeinen Aufbruchsstimmung der Kreisky-Ära war „teleobjektiv“ ein typisches Produkt der 1970er-Jahre, das kein Blatt vor den Mund nahm. Als Anwalt der Schwachen der Gesellschaft setzte Gatterer seine kritische und engagierte Haltung fort: Kritik an den starren gesellschaftlichen Strukturen, Missstände in der Arbeitswelt, Berichte über die schlechten Lebensbedingungen ethnischer Minderheiten und deren Ausgrenzung in Österreich, Aufarbeitung der NS-Vergangenheit oder Skandale in der Pharmaindustrie und im Gesundheitswesen prägten viele Ausgaben der Sendung. Der engagierte und aufklärerische Journalismus des Magazins war allerdings den Machzentren von Wirtschaft, Politik und schließlich auch der ORF-Spitze ein Dorn im Auge. Das Format wurde deshalb 1984 abgesetzt. „Die Sendung hat ihm nie gepaßt“, sagte ein sichtlich enttäuschter Gatterer über den verantwortlichen Generalintendanten Gerd Bacher in einem Interview mit der Stadtzeitung „Falter“. Kurze Zeit nach der letzten „teleojektiv“-Sendung starb Claus Gatterer an einem Krebsleiden.

Interview mit Gerd Bacher

Gerd Bachers und Claus Gatterers Wege kreuzten sich Anfang der 1950er-Jahre bei den „Salzburger Nachrichten“. Der ehemalige ORF-Generalintendant über den Journalisten Gatterer, sein eigenes Engagement während der Südtiroler Bombenjahre, Gatterers TV-Magazin „teleobjektiv“ und die zusehende Entfremdung der beiden Freunde gegen Ende von Gatterers Leben.

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Fremde in der Heimat

Nach der TV-Dokumentation „Fremde in der Heimat“ (ORF, 1975) von Trautl Brandstaller über das Minderheitenproblem in Kärnten, wird Claus Gatterer in einer anschließenden Diskussionsrunde (ORF, 18.6.1975) hart angegriffen.

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Interview mit Peter Huemer

Peter Huemer war Mitglied des ersten „teleobjektiv“-Teams unter Claus Gatterer. Der frühere ORF-Journalist und Club-2-Chef über seine Verbindung zum „teleobjektiv“-Chef, Gatterers Beziehung zu Italien und das Buch „Erbfeindschaft Italien-Österreich“.

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Interview mit Elizabeth T. Spira

Zehn Jahre lang war Elizabeth T. Spira Mitarbeiterin von Claus Gatterer bei „teleobjektiv“. Die Filmemacherin und heutige ORF-Quotenkönigin über die Zusammenarbeit mit Claus Gatterer, lange Diskussionen bei heiklen Themen und einen Magazinleiter, der sich bedingungslos hinter seine Mitarbeiter stellte.

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Bilder aus einer Welt die wir begraben

Zusammen mit Robert Dornhelm gestaltete Claus Gatterer 1974 das TV-Porträt über die bunte Menschenlandschaft in Maramures, einem rumänischen Bezirk an der Grenze zur Sowjetunion – hier ein kurzer Ausschnitt aus dem Film (ORF, 23.4.1974).

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Interview mit Kurt Langbein

Kurt Langbein war von 1977 bis 1984 Mitarbeiter des TV-Magazins „teleobjektiv“. Der Filmemacher über seine Anfänge als Journalist unter Claus Gatterer, die Aufbruchstimmung der 1970er-Jahre in Österreich und die Entwicklung des kritischen Journalismus bis heute.

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Andreas Hofer gegen Karl Marx

In einer Juni-Ausgabe von „teleobjektiv“ auf dem Jahr 1978 leitet Moderator Claus Gatterer einen TV-Bericht des Hessischen Rundunks („Andreas Hofer gegen Karl Marx. Die SVP und die KPI“) über Südtirol ein.

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